
Es braucht schon eine Menge Mut als Ziegenhirt einer hochmütigen Prinzessin ungeheuerliche Forderungen zu stellen, um ihr Ehemann zu werden. Wo sie doch sonst mit ihren Verehrern kurzen Prozess macht und sie in den Kerker wirft. Dazu bedarf es eines wahren Märchenheldens.
Von denen gab es am 14. Juli bei der Langen Märchennacht in Hanau viel zu hören. Zehn Erzählerinnen und Erzähler aus ganz Deutschland entführten die Zuhörer in eine Welt, in der ein kleines Mädchen bis zu den Sternen reist, um ihre sieben Brüder zu erlösen, die durch einen Fluch zu Raben wurden. Ein Holzweibchen verhilft einem armen Bauernjungen zu seiner wahren Bestimmung als Instrumentenbauer, in dem sie die Bäume klingen lässt. Eine Schwester steht der anderen beim Kampf gegen die Trollhexen bei und vier alte Tiere lehren auf dem Weg nach Bremen einer Räuberbande das Fürchten. Am Ende des Lebens heißt es auch noch mal den ganzen Mut zusammennehmen, wenn man als Trunkenbold am Himmelstor abgewiesen wird. Doch bibelfest kann jener Petrus, Paulus und Matthäus so in Schwierigkeiten bringen, dass sie den Trunkenbold in den Himmel führen müssen - sehr zu Freude des Allerhöchsten.
Ganz in der Tradition der mündlichen Überlieferung wurden die Zuhörer mit kleinen und großen Helden aus allen Ecken der Welt bekannt gemacht. „Denn Märchen zu erzählen heißt, mit den Augen der Anderen sehen lernen und mit ihren Ohren hören“, beschreiben Gabriele Kloberdanz und Christian Mayer-Glauninger die Faszination, die von Märchen ausgeht. Bereits zum vierten Mal haben sie die Lange Märchennacht organisiert und sie versprechen, dass es auch im nächsten Sommer wieder eine geben wird. Der Ziegenhirt aber gewann tatsächlich das Herz der stolzen Prinzessin, weil er etwas hatte, was sie wie nichts anderes auf der Welt begehrte: tanzende Ziegen. Und die gibt es nur im Märchen.
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Gabriele Kloberdanz und Christian Mayer-Glauninger (siehe Kontakt und Links).