„Eine Köchin muss wissen, wie's Essen schmeckt!“ lautet das Lebensmotto der „Klugen Gretel“ aus dem Volksmärchen der Gebrüder Grimm. Weil sich der Gast verspätete, probierte sie solange vom Wein und den Hühnchen, bis das für die Herrschaften bestimmte Mahl verspeist war. Doch mit einer List sorgte sie dafür, dass weder ihr Herr noch der Gast dahinter kamen, sehr zur Freude der erwachsenen Zuhörer bei der Langen Märchennacht am 15. Juli im Schloss Steinheim.
Märchen für Erwachsene? Ja, denn nicht nur Kinder hören scheinbar gerne Märchen und nehmen die eine oder andere Lebenserfahrung daraus mit. Im Marstall des Schlosses Steinheim erzählten fünf Märchenerzählerinnen und ein Erzähler im Rahmen der Hanauer Langen Nacht der Musen rund dreißig Volksmärchen, musikalisch begleitet von Andreas Held. Damit bereicherte die Gruppe um Gabriele Kloberdanz und Christian Mayer bereits zum dritten Mal die Hanauer Museumsnacht um eine alte Erzähltradition. „Immer wieder kamen Zuhörer auf uns zu und erzählten, dass sie als Kind sehr viele Märchen gelesen oder gehört haben“, berichtet Gabriele Kloberdanz, die Organisatorin der Langen Märchennacht. „Bei uns konnten sie dann in Erinnerungen schwelgen oder ihnen unbekannte Märchen neu entdecken. Manche blieben die gesamten fünf Stunden da, sogar ein kleines Mädchen hielt bis zum Schluss durch!“, begeistert sie sich.
Im Laufe des Abends räumten die Erzähler mit dem Fehlurteil auf, dass eine Frau einen Frosch küssen müsse, um einen Prinzen zu bekommen (in Wahrheit muss sie ihn an die Wand werfen) und erklärten, warum die Bremer Stadtmusikanten nie in der Hansestadt waren. Neben diesen bekannten Klassikern gab es auch weniger bekannte Grimmsche Märchen wie „Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein“ oder „Das Hirtenbüblein“ zu erleben.
Dabei ist Erzählen sehr viel mehr als Vorlesen. „Beim Erzählen wird die Geschichte lebendig, nicht nur durch die Stimme, sondern auch durch Mimik und Gestik. In den Köpfen der Zuhörer entstehen so Bilder, die einen ganz aus der Realität herausführen können“, erklärt Mitorganisator Christian Mayer. Dass das auch mit viel Humor geht, zeigten die Akteure dann im letzten Teil, wo sie die Zuhörer mit Mundart und Schwänken von Hessen über Franken bis hin zu Petrus' Himmelstür führten, hinter der ein lachender Allerhöchster wartete.
Zur nächsten Langen Nacht der Musen am 14. Juli 2007 wird es wieder eine Lange Märchennacht im Schloss Steinheim geben.